Frachtenbörse: wie sie funktioniert, wie Sie den Frachtführer prüfen und was die Prüfung nicht beweist

Eine Frachtenbörse ist ein Marktplatz für Ladungs- und Laderaumangebote — keine Betriebssoftware und keine Vertragspartei. Sie vermittelt den Kontakt; alles danach (Verkehrsvertrag, Verladung, Haftung, Rechnung, Zahlungsziel) liegt zwischen Ihnen und einem Unternehmen, das Sie seit zwanzig Minuten kennen. In Deutschland haftet der Frachtführer nach § 425 HGB für Verlust und Beschädigung von der Übernahme bis zur Ablieferung, doch der Ersatz ist nach § 431 Abs. 1 HGB auf 8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm Rohgewicht begrenzt; diese Grenze entfällt nur unter den engen Voraussetzungen des § 435 HGB. Prüfen lassen sich Gemeinschaftslizenz (§ 3 GüKG), Versicherungsnachweis (§ 7a GüKG, mindestens 600.000 Euro je Schadensereignis) und Handelsregister — die behördliche Risikoeinstufung nach Art. 16 der Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 bleibt Ihnen dagegen verschlossen. Jede dieser Prüfungen lässt einen Rest offen, und dieser Rest gehört in den Auftrag.

Quelle: Bundesministerium der Justiz / juris (gesetze-im-internet.de) · EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union · Bundesverband Spedition und Logistik e. V. (DSLV) · Generalzolldirektion (zoll.de) · Trans.eu Group · TIMOCOM GmbH · TAPA EMEA. Daten zuletzt aktualisiert: .

Was ist eine Frachtenbörse — und was ist sie nicht?

Welche Rechtsfolge tritt ein, ohne dass jemand sie verhandelt hat?

Welche Rolle haben Sie eigentlich, wenn Sie auf der Börse zuschlagen?

Wofür haftet der Frachtführer — und wo hört die Haftung in Euro auf?

Wer dreht in der Praxis am Haftungsregler — und welche Fristen laufen dabei?

Wer haftet, wenn ein ganz anderer LKW an der Rampe steht?

Was muss ein Frachtführer in Deutschland überhaupt vorweisen?

Was beweist Ihre Prüfung — und was nicht?

Wie sieht Frachtbetrug aus — und was stoppt ihn tatsächlich?

Wer trägt an der Rampe welches Risiko?

Was kostet eine Frachtenbörse — und was fragen Sie vor der Unterschrift?

Was passiert mit der Rechnung, die Sie danach bekommen?

Wo hört die Börse auf und wo fängt die Betriebssoftware an?

Hinweis

Die teuerste Zeile ist die, die niemand verhandelt hat

Quelle

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Frachtenbörse dasselbe wie eine Transportmanagement-Software?

Nein. Eine Frachtenbörse ist ein Marktplatz für Ladungs- und Laderaumangebote: Sie beantwortet die Frage „Wer fährt diese Sendung jetzt?". Ein TMS beantwortet die Frage „Welche Aufträge habe ich, in welchem Status sind sie und was habe ich daran verdient?". Die Börse ist an der Anbahnung beteiligt; am Verkehrsvertrag, an der Verladung, an der Haftung nach §§ 425 ff. HGB und an der Abrechnung ist sie nicht beteiligt und in der Regel nicht Vertragspartei.

Wie hoch ist die Haftung eines Frachtführers in Deutschland pro Kilogramm?

Nach § 431 Abs. 1 HGB ist der Ersatz für Verlust oder Beschädigung auf 8,33 Rechnungseinheiten je Kilogramm des Rohgewichts begrenzt; Rechnungseinheit ist nach § 431 Abs. 4 HGB das Sonderziehungsrecht des IWF, umgerechnet zum Kurs am Tag der Übernahme. Bei Lieferfristüberschreitung gilt nach § 431 Abs. 3 HGB der dreifache Frachtbetrag. In vorformulierten Vertragsbedingungen darf der Betrag nach § 449 Abs. 2 HGB zwischen 2 und 40 Rechnungseinheiten je Kilogramm festgelegt werden. Die Grenze entfällt nach § 435 HGB nur bei Vorsatz oder bei Leichtfertigkeit in dem Bewusstsein, dass ein Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreten werde.

Ab welchem Gewicht braucht ein Frachtführer eine Lizenz?

Es gibt zwei verschiedene Schwellen. National nimmt § 2 Nr. 10 GüKG Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht einschließlich Anhänger von höchstens 3,5 Tonnen aus. Grenzüberschreitend gilt seit dem 21. Mai 2022 nach Art. 1 Abs. 5 der Verordnung (EG) Nr. 1072/2009 eine Grenze von 2,5 Tonnen — zuvor 3,5 Tonnen. Im Bereich zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen kann dieselbe Firma national erlaubnisfrei und international lizenzpflichtig sein.

Welche Unterlagen kann ich von einem unbekannten Frachtführer verlangen?

Sinnvoll und rechtlich verankert sind: die Gemeinschaftslizenz bzw. die beglaubigte Kopie, die nach Art. 4 der Verordnung (EG) Nr. 1072/2009 im Fahrzeug mitzuführen ist; der Versicherungsnachweis nach § 7a GüKG, der ebenfalls mitzuführen und auf Verlangen vorzuzeigen ist; die Fahrerunterlagen nach § 7b GüKG; ein Handelsregisterauszug; und nach ADSp Ziffer 28.2 eine Versicherungsbestätigung, deren Ausbleiben ein außerordentliches Kündigungsrecht auslöst. Fordern Sie die Versicherungsbestätigung beim Versicherer an, nicht beim Auftragnehmer.

Hafte ich für den Mindestlohn des Subunternehmers, den ich über eine Frachtenbörse beauftragt habe?

Ja, im Rahmen der Bürgenhaftung. § 13 MiLoG erklärt § 14 AEntG für entsprechend anwendbar: Wer einen anderen Unternehmer mit Werk- oder Dienstleistungen beauftragt, haftet für dessen Mindestlohnverpflichtung wie ein Bürge, der auf die Einrede der Vorausklage verzichtet hat, beschränkt auf das Nettoentgelt. Der Mindestlohn beträgt seit dem 1. Januar 2026 13,90 Euro und ab dem 1. Januar 2027 14,60 Euro brutto je Stunde und gilt auch für Arbeitgeber mit Sitz im Ausland für ihre in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer. ADSp Ziffer 32.1 sieht eine Freistellung durch den Spediteur vor — die so viel wert ist wie dessen Bonität.

Kann ich den Subunternehmer verklagen, den ich nie beauftragt habe?

Ja. Nach § 437 Abs. 1 HGB haftet der ausführende Frachtführer für Güter- und Verspätungsschäden so, als wäre er der Frachtführer; nach Absatz 3 haften vertraglicher und ausführender Frachtführer als Gesamtschuldner. Zu beachten ist Absatz 1 Satz 2: Eine Vereinbarung, die über die gesetzliche Haftung hinausgeht, wirkt gegen ihn nur, wenn er ihr in Textform zugestimmt hat. Zusätzlich ausgehandelter Schutz reist also nicht automatisch mit.

Was kostet eine Frachtenbörse?

Öffentliche Preisangaben sind selten. Am 18. August 2026 wies Trans.eu die private Frachtenbörse mit 99,00 EUR netto pro Monat für ein Unternehmen mit einer Trans-ID aus; weitere Preislisten werden als separate PDF oder auf Anfrage bereitgestellt. Auf den abgerufenen TIMOCOM-Seiten war keine Preisangabe öffentlich zugänglich. Preise hängen von der Nutzerzahl ab und ändern sich — holen Sie ein aktuelles Angebot ein und klären Sie Laufzeit, automatische Verlängerung und Kündigungsform vorab.

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